Abschied und Neubeginn – Verabschiedungen von Kolleginnen und Kollegen

Liebe Ruheständler in spe, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Ehemalige, liebe Familienangehörige und Freunde,

Die Begriffe Abschied und Neubeginn sind nicht trennbar, denn wenn ein Schlusspunkt gesetzt wird, setzt immer auch ein Neubeginn ein.

Heute beginnt für eine Kollegin und vier Kollegen ein neuer Lebensabschnitt. Heute müssen und dürfen wir Abschied nehmen von insgesamt 145 Jahren „Erzieher- oder Lehrersein“ mit höchst kompetentem Fachwissen und einem unglaublichen pädagogischen Erfahrungsschatz.

 

Verabschiedung Anne Hofmann

Liebe Anne,

Deine Erstbeschäftigung war eine Schwangerschaftsvertretung vom 01.09.1995 bis zum 31.10.1996. Und da positive Mitarbeit an der Ursulinenschule wertgeschätzt wird, wurdest Du am 01.11.1997 unbefristet als Erzieherin eingestellt.

Mit dem Gütesiegel der „Pädagogischen Prägung“ ist das Konzept der Spiel- und Freizeiterziehung eng verknüpft, so dass der Aufgabenbereich unserer Erzieherinnen ein unverzichtbarer Bereich ist und damit auch Du als Erzieherin.

Mit dem Angebot des „Mal-Workshops“ in der Freizeiterziehung in der Jahrgangsstufe 6 hast Du unzählige Schülergenerationen begeistert.

Im Fachwerkhaus, dem räumlichen Zentrum der Ganztagsbetreuung, wird gespielt, gewerkelt, gekocht, es werden Waffeln gebacken oder einfach nur gechillt. Diese, lockere ungezwungene und frei vom Leistungsdruck geborgene Atmosphäre genießen vor allem die Unterstufenschülerinnen und –schüler.

Dass die Einrichtung zum Verweilen einlädt und für Schülerinnen und Schüler so ansprechend ist, verdankt die Schule den Ideen aller Erzieherinnen und den gemeinsamen Fahrten zu einem schwedischen Möbelhaus in Kassel.

Liebe Anne, für die Schülerinnen und Schüler warst Du im Fachwerkhaus stets Ansprechpartnerin, die zuhört und vielleicht bei den kleinen und den ganz großen Problemen oder auch in schwierigen Lebensfragen Antworten und Hilfen geben konnte.

Herzlichen DANK!

 

Verabschiedung Walter Müller

Lieber Walter,

seit dem 11.01.1982 unterrichtest Du an der Ursulinenschule die Fächer Mathematik und Sport. Im August 2018 durftest Du Dein 40-jähriges Dienstjubiläum feiern. 40 Jahre Dienst – und mögliche Fehltage, in denen Du aufgrund von Krankheit mal gefehlt hast, sind wahrscheinlich an einer Hand abzuzählen. Vielleicht sollte der Weg zur Schule per Fahrrad obligatorisch für alle Kollegen eingeführt werden. Denn bekanntlich hat tägliche Bewegung gesundheitsfördernden Charakter.

Und dass Du dies auch so siehst, bestätigt Deine erste Examensarbeit. Sie ist betitelt „Der Bereich der motorischen Grundeigenschaften als Inhalt und Zielsetzung des Sportunterrichts in den Hessischen Rahmenrichtlinien von 1974“.

Ja, die motorischen Grundeigenschaften als Voraussetzung für Sporttreiben sind bei einigen Schülerinnen und Schülern leider nur unzureichend vorhanden. Ja, die Zahl der Schüler, die den Ball nicht fangen können, nicht schwimmen oder den „Purzelbaum“ schlagen können, nimmt zu.

Deshalb sind unsere Fähigkeiten als Sportlehrer, als Motivationskünstler zunehmend gefragt, um die Schülerinnen und Schüler zur Bewegung und lebenslangem Sporttreiben zu animieren und zu begeistern.

Neben dem alltäglichen Unterrichtsgeschehen sind deshalb viele schulische sportliche Großveranstaltungen von Dir mitorganisiert und durchgeführt worden wie: die Jahrgangsturniere in den Sportarten Basketball und Volleyball, die Spiel- und Spaßolympiade, die Spielerische Leichtathletik, Schwimmfeste, die Bundesjugendspiele und die Sports-Team-Fun-Feten. Auch bei den Wettbewerben „Jugend trainiert für Olympia“ hast Du Dich engagiert und in der Sportart Fußball die Jungen zu hervorragenden Leistungen motiviert und angespornt.

Viele Haupt- und Realschulklassen hast Du auf die zentralen Abschlussprüfungen des Landes Hessen im Fach Mathematik vorbereitet und die gezeigten Ergebnisse waren durchweg sehr positiv. Auch bei dem Mathematik-Wettbewerb Känguru oder dem landesweiten Mathematikvergleich der Jahrgangsstufe 8 aller Schulzweige waren Deine Schüler bestens präpariert.

Mit einem Hauptfach warst Du sprichwörtlich prädestiniert für die Aufgaben des Klassenlehrers. So warst Du für Deine Schülerinnen und Schülern vertrauter Ansprechpartner und wir als Schulleitung konnten auf Dich als kompetenten Klassenlehrer bauen.

Lieber Walter, mit Deinem Eintritt in den Ruhestand entfällt Deine täglich verpflichtende sportliche Betätigung und du musst Dir nun wohl eine andere Ausdauersportart suchen. Herzlichen Dank!

 

Verabschiedung Jürgen Flinner

Lieber Jürgen,

lieber „Käpt`n Flinn“!

Deine Einstellung in ein unbefristetes Anstellungsverhältnis erfolgte zum 15.08.1990 mit der Fächerkombination Mathematik, Sport und Informatik.

Als damals einziger, examinierter Informatiklehrer hast Du vor allem bei den Jungen den Wissensdurst im Umgang mit dem Computer stillen können. Denn die Programmiersprache oder Fragen, wie solch ein technisches Gerät die Dinge ausführt, die ich auch möchte, waren spannend.

Die Anschaffung der ersten Computer an der Ursulinenschule und die Anfänge des Einsatzes der Computertechnik im Unterricht und die weitere Entwicklung des heute gut aufgestellten EDV-Bereichs sind unweigerlich mit Deinem Fachwissen und Deinem außergewöhnlichen Engagement verbunden.

Für die Kollegen hast Du bei ihren Fragen immer ein offenes Ohr gehabt und sofortige Hilfen zum Start eines Programms gegeben.

Auch wenn die Informatik und die Mathematik, für deren Fachschaft Du bis Mitte der 90er Jahre Fachvorsteher warst, einen hohen Stellenwert einnehmen, durftest du gelegentlich auch Sport unterrichten.

Viele Sportveranstaltungen und Schwimmfeste sind Deinerseits mitgeplant und durchgeführt worden. Viel Zeit hast Du für die Erstellung eines Computer-Programms zur Erfassung und Auswertung der Ergebnisse der Bundesjugendspiele eingebracht.

Als Tutor hast du viele Schülerjahrgänge zum Abitur begleitet und warst stets kompetenter Ansprechpartner für die vielen und sich häufig wiederholenden Fragen des Kurssystems.

Lieber Käpt`n Flinn,

in Deiner Freizeit organisierst Du für die Kollegen die Segeltörns auf dem Ijselmeer und übernimmst auf den Segelschiffen tatkräftig das Kommando, so dass Du Dir den Titel „Käpt`n“ wahrlich verdient hast.

Lieber Jürgen, ab heute hast Du ausreichend Zeit mit Deinem „Herbie“ die Enkelkinder zu besuchen oder – wie Du geplant hast – Vorlesungen an der Uni zu besuchen, um Deinen Wissensdurst zu stillen.

Herzlichen Dank! 

 

Verabschiedung Bernd Völkerding

Lieber Bernd,

seit dem 15.08.1990 unterrichtest Du an der Ursulinenschule.

Dass Du als Klassenlehrer immer wieder zur Verfügung standst, war für Dich selbstverständlich. Gern erinnere ich mich an die gemeinsamen Klassenfahrten – vor allem mit der Klasse 9H nach Berlin.

Mit Deinen Fächern Deutsch und Politik und Wirtschaft führtest Du Deine Schülerinnen und Schülern in die Tiefen der Literatur und brachtest Ihnen Demokratieverständnis bei. Dass Demokratieverständnis ein wichtiges Anliegen Deines Unterrichts war, zeigt sich auch durch die Themenwahl Deiner zweiten Staatsexamensarbeit.

Der Titel lautet „Der politische Willensbildungs- und Entscheidungsprozeß in der Bundesrepublik Deutschland.“ Vielleicht sollte unseren politischen Führungskräften zwecks zügiger Entscheidungen und entsprechender Umsetzungen deine Ergebnisse als Anschauungsmaterial vorgelegt werden.

Als langjähriger Fachsprecher für das Fach Politik und Wirtschaft hast Du die Geschicke des Faches geleitet.

Bis zur Einrichtung der Lehrmittelbibliothek warst Du verantwortlich für die Deutschlektüren. Zeitweilig stapelten sich Türme von Lektüren vor Deinem Platz auf dem Lehrerzimmertisch. Und ich fragte mich, ob Deine Deutschkollegen so häufig verschiedene Lektüren als Inhalt ihres Unterrichts nutzen, so dass ein häufiger Wechsel ursächlich für die Anhäufung der Stapel verantwortlich ist – oder hast Du die Ruhe hinter den Bücherstapeln als Oase der Ruhe genossen? Es wird gemunkelt, dass das Stillarbeitszimmer im Kloster in den letzten Jahren häufiger von Dir aufgesucht wurde.

Apropos Ruhe:

Deine Ruhe und Gelassenheit, wenn sprichwörtlich „der Bär tanzt“ habe ich immer bewundert. Und wiederum fragte ich mich: liegt es eher an den Genen des gebürtigen „von Hause aus stoischen Oldenburger Münsterländers“ oder eher an den antrainierten Fähigkeiten eines vierfachen Vaters?

Ja, auf manche meiner Fragen erhielt ich bis heute keine Antwort!

Lieber Bernd, herzlichen Dank!

 

Verabschiedung Stefan Schmitt

Lieber Stefan,

nach 7 Jahren Lehrer an der Engelsburg kamst Du ins „Gelobte Land“ nach Fritzlar und warst seit dem 01.08.1992 als Kirchenbeamter halb an der Ursulinenschule und halb als Domorganist in der Pfarrei St. Peter, in Fritzlar beschäftigt.

Ab dem 01.08. 1995 kam die Schule dann in den Genuss Deiner Vollbeschäftigung an der Ursulinenschule. Dein äußerst kompetentes musisches Fachwissen hast Du begeisternd an zig Generationen unsere Schülerinnen und Schülern vermittelt.

Neben dem Unterricht hast Du in den vielen Jahren vielfältige Aufgaben im Musikbereich übernommen; ein kurzer Auszug Deines Schaffens – ein Anspruch auf Vollständigkeit besteht nicht:

Den Aufbau einer Brassband und eines Unterstufenchor (Klasse 5/6),

die musikalische Gestaltung von Festen und Feierlichkeiten,

die Organisation von Schülerkonzerten, Gestaltung von Adventskonzerten,

die Mitwirkung und Mitgestaltung bei der Erarbeitung von neuen Konzepten des Musikunterrichts an einer Ganztagsschule sowie die musikpraktische Arbeit in der Freizeiterziehung,

die Angebote diverser Kurse im Wahlunterricht wie Chorsingen, Musik und Computer oder Musikelektronik,

die Durchführung der dezentralen Prüflesungen im Landesabitur im Fach Musik etc.

Auch im Fach Religion hast Du Deinen Unterricht anspruchsvoll und schülerorientiert gestaltet, wobei Exkursionen und auch die Teilnahme an Schülerwettbewerben für Dich immer ein wichtiger Begleitfaktor der theoretischen Unterrichtseinheiten waren.

Als Mitglied der Pastoralgruppe und als Organist bei den wöchentlichen Jahrgangs- und den Schulgottesdiensten hast du das kirchliche Schulleben mitgeprägt.

Engagiert hast Du Dich als Schülervertretungs-Lehrer und als Mitarbeitervertreter, so dass Du immer am Puls des Geschehens von Schülern und Mitarbeitern warst. Als Mitglied des Krisenteams hast Du gezeigt, dass Du gewillt bist, schwierige Situationen zu meistern. Trotz Deines Engagements hast Du Zeit gefunden, neben Deiner Unterrichtstätigkeit, Fortbildungen wie das Funk-Kolleg Psychologie oder diverse Online-Kurse an der Universität Ulm zu belegen.

Lieber Stefan, deine Dienstzeit und entsprechend eines Chorliedes, die „Jagdsaison“ sind nun beendet. Der Jäger wird das „wilde Schwein“ wohl nicht mehr erjagen. Herzlichen DANK!

 

Liebe „Neu-Ruheständler!“

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…“

Mit dieser wohl berühmtesten Gedichtzeile Hermann Hesses keimt Hoffnung auf, dass manches besser wird und anders gelingt. Doch wahr ist auch, dass uns bei Neuanfängen, beim Verlassen der gewohnten Strukturen, nicht immer wohl ist. Denn Unwägbarkeiten wie was fange ich mit meiner freien Zeit nur an, welche Aufgaben hält meine Frau bzw. Familie nun für mich bereit?

Tja, da wünscht man sich doch vielleicht, es bliebe alles so, wie`s ist.

Und überhaupt – was für ein Zauber soll das sein, der das Anfangen zu einer so großartigen Sache macht? Wie also heißt es weiter in Hesses Gedicht „Stufen“:

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“

Das also ist`s, was Hesse uns mit seinem Zauber sagen möchte: Wer etwas Neues wagt, geht unvermeidlich Risiken ein, aber es werden unweigerlich auch Türen geöffnet.

Wir werden weiter Erfahrungen sammeln und das Leben lebenswert gestalten.

Wer sich dem verschreibt, den wird der Zauber schützen, weil er bei allen Nachteilen, die vielleicht entstehen mögen, immer den Gewinn sehen wird: das Leben selbst, die Freude und die Glücksmomente.

Liebe „Ruheständler“,

Wir, die Schulgemeinde, wünschen Euch diesen Gewinn: das Leben selbst, die Freude und die Glücksmomente von ganzen Herzen.

Wir danken Euch für Euer herausragendes Engagement, Ihr habt vielfältige, nachhaltige Spuren hinterlassen und wir werden Euch mit Sicherheit vermissen.

Aber nun genießt und feiert das Leben und gebt jedem einzelnen Tag mehr Leben. Mit dem Buch von Bianca Bleier „Das Leben feiern“, möchte ich diesen Gedanken nochmals bestärken.

Und auch Euch darf ich die Weisung Angela Mericis mit auf den Weg geben „Haltet Euch an den alten Weg und lebt ein neues Leben!“

Alles, alles Gute, viel Gesundheit und Gottes reichen Segen!