Schulleben

Massaker und Endzeitstimmung – Theaterabend an der Ursulinenschule

Am Donnerstag, den 13. Juni, führten gleich zwei Oberstufenkurse der Jahrgangsstufe Q2 im Fach Darstellendes Spiel ihre Theaterstücke im vollbesetzten Treffpunkt der Ursulinenschule auf. In dem Stück „Apokalypse“, das die Schüler unter der Leitung von Lehrerin Julia Brück präsentierten, ging es darum, dass eigentlich alle nur mit sich selber beschäftigt sind, bis auf einmal von der Bundesregierung der Weltuntergang angekündigt wird. Plötzlich rennt die Zeit davon, denn es bleiben nur noch zehn Stunden. Das führt einerseits zu Sinnkrisen und andererseits zu Mut, sich endlich etwas zu trauen: Eine Angestellte traut sich endlich, sich gegen die sexuellen Übergriffe ihres Chefs zu wehren, eine Nonne küsst das erste Mal in ihrem Leben einen anderen Menschen und ein Jugendlicher trifft eine viertel Stunde vor dem Weltuntergang seine große Liebe, mit der er bisher nur über Instagram Kontakt hatte. Charakteristisch für das Stück waren die zahlreichen Theaterchöre, die zum Einsatz kamen, um das Geschehen zu kommentieren oder die Gedanken und Gefühle der Protagonisten zu versprachlichen oder visuell darzustellen. Erwähnenswert ist auch der Medieneinsatz. Musik wurde eingespielt und der Chat zwischen den Liebenden auf Instagram wurde auf eine Videoleinwand projiziert, sodass die Zuschauer mitlesen konnten. Ein Schauspieler im roten Ganzkörperanzug, hielt das Publikum in Atem, indem er es permanent umrundete, um das Verstreichen der Zeit zu symbolisieren.

Der Kurs von Lehrer Frank Lambert zeigte das Stück „Odysseus“. Allein und heruntergekommen kehrt Odysseus wieder zurück in seine Heimat Ithaka. Als Kriegsheimkehrer findet er dort unhaltbare Zustände vor, die ihn veranlassen, ein Massaker anzurichten. Das antike Stück wurde von den Schülern modernisiert und mit Elementen aus Zombiefilmen und Anspielungen auf die Anfänge der Naziherrschaft in Deutschland verknüpft. Gleich zu Beginn krabbelten und krochen in zerfetzter Kleidung die von Oysseus blutüberströmten Totgeschlagenen auf die Bühne und bildeten einen Chor der toten Seelen. Das Stück zeichnete sich insbesondere durch Provokation und Wortwitz aus. So stellte ein Protagonist trocken fest, Ithaka sei genauso ein Entwicklungsland wie das Saarland. In der Rolle des Odysseus begeisterte vor allem Jan Wissenbach durch lustige Dialoge das Publikum. Doch auch die drei treuen Hirten, die auf Odysseus Heimkehr gewartet haben, gespielt von Michael Steinmetz, Simon Durstewitz und Julius Greiner, sowie Tim Lumpe in der Rolle der verrückten  Eurycleia sorgten durch Witz und ausdruckstarkes Spielen für viele Lachsalven im Publikum.

An diesem Abend durften die Zuschauer die gesamte Vielfalt des Theaters erleben. Neben lustigen und provokanten Szenen gab es gleichermaßen ernste und nachdenkliche Szenen zu sehen, die sicherlich nach der gelungenen Veranstaltung noch für viel Gesprächsstoff sorgten.

Martin Baumann