Schulleben

Deutschunterricht auf der Bühne

Wer kennt das nicht aus seiner eigenen Schulzeit? Die Schullektüre, die man im Fach Deutsch lesen muss, ist ein Buch mit sieben Siegeln, dessen Inhalt man einfach nicht versteht. Verzweifelt greift man zu den berühmten Königs-Erläuterungen und versucht mit Hilfe von Interpretations- und Lektürehilfen wenigstens das herauszuschreiben, was der Deutschlehrer hören möchte.

Der in Nordhessen geborene Schauspieler und Regisseur Reimund Groß hat eine andere Methode gefunden den Schülern literarische Texte näherzubringen. In der Ursulinenschule inszenierte er vergangene Woche vor Oberstufenschülern der Q4 „Die Verwandlung“ von Franz Kafka auf der Bühne und erweckte dabei die toten Buchstaben zum Leben. Mit ausdrucksstarker Mimik und Gestik schlüpfte er in die verschiedenen Rollen der Protagonisten. Mal war er Gregor Samsa, der sich in einen Käfer verwandelt, mal die klagende Mutter, mal die Violine spielende Schwester Grete oder der mit Äpfeln um sich schmeißende Vater, der seinen Sohn lebensgefährlich verletzt. Groß, der u.a. am Staatsschauspiel Dresden, im Schauspielhaus Wien und an der Berliner Staatsoper Unter den Linden spielte, beeindruckte neben seiner schauspielerischen Leistung die Schüler vor allem dadurch, dass er fast den gesamten Text frei rezitierte und in unterschiedlichen Stimmlagen die Rede der Figuren vortrug.

Durch gekonntes Schauspiel und lebendige Sprache gelang es Groß, dessen Ziel es ist, „die Menschen ernsthaft zu unterhalten“, den Schülern Kafkas „Verwandlung“ nachhaltig näherzubringen.

Martin Baumann