Schulleben

Ausgegrenzt, fremd, auf der Suche an dem Platz in der Gesellschaft – 9G3 erlebt den Roman „Ellbogen“ von Fatma Aydemir auf der Bühne des Kasseler TiF

6 junge Frauen kommen langsam und bedrohlich den Zuschauern näher: „Warum lacht ihr so? Wir wollen mitlachen!“, schreien sie chorisch ins Publikum und jedem Einzelnen tief in die Augen. Böse, bedrohlich, aggressiv. Man fühlt sich bedrängt, bekommt Angst.

Die 17jährige Hazal ist in Berlin geboren und wächst dort auf, doch ihre Eltern stammen aus der Türkei. Zerrissen zwischen dem türkischen Familienalltag und den deutschen Werten und Konventionen, erwartet sie sehnsüchtig ihren 18. Geburtstag, den sie mit ihren Freundinnen im angesagtesten Berliner Club so richtig feiern will. „Ihr kommt nicht rein, zu voll!“ – wirft ihnen der Türsteher entgegen und sie ahnen, dass ihr türkisches Aussehen dahintersteckt. Voller Wut, Zorn und Aggressivität stehen sie nun mitten in Berlin und der Zuschauer ahnt, die Situation wird eskalieren ….  Und Hazal ist gezwungen, nach Istanbul, der Stadt ihrer Träume, zu ihrem Internetfreund Mehmet zu flüchten, wo nichts so ist, wie sie sich erhofft hat.

Philipp Rosendahl inszeniert die Romanvorlage von Fatma Aydemir am Kasseler TiF mit sechs jungen Frauen, die meisten mit Migrationshintergrund und allesamt Laien – ein BürgerInnenbühnenprojekt, das niemanden kalt lässt.

Feste Rollen? Die gibt es nicht, alle spielen alle Rollen, rennen wild herum, wechseln im Minutentakt Kostüme und Rollen, so dass der Zuschauer, gelegentlich verwirrt, aufmerksam bleiben muss.

Da war es gut, dass der Theaterpädagoge Thomas Hof vom Kasseler Staatstheater uns vorher in einem Theaterworkshop professionell und voller Energie in das Stück eingeführt hat.

Wie war’s ?

Einnehmend und mitnehmend.

Der Zuschauer bleibt nachdenklich zurück: „Welche Vorurteile habe ich selbst? Bin ich vielleicht selbst rassistisch?“

Überzeugend gespielt.

Fesselnd und atemberaubend.

Leidenschaftlich und sehr emotional.

Unbedingt empfehlenswert für junge Erwachsene.

Klasse 9G3 und Deutschlehrerin Frau Anders