Öffnung der Schule

Bericht von Alina Heinemann

Wenn man neun Jahre an einer Schule verbracht hat, wäre der erste Gedanke für gewöhnlich nicht, gleich nach dem Abschluss wieder dorthin zurückzukehren. Doch als Schüler bekommt man oft gar nicht mit, was alles außerhalb des Unterrichts vor sich geht und das herauszufinden, war doch schon reizend genug. Und tatsächlich, meine Aufgabenfelder stellten sich als überaus weitläufig heraus, wobei man alles auf sechs Bereiche unterteilen kann: Sekretariat, Mediothek, Gebäudemanagement, Spielerziehung, Nachmittagsbetreuung und ganz viel Kopieren.

Richtig, jeder Tag beginnt erst einmal damit, die Druckaufträge der Lehrer zu erfüllen, welche sich zusammengenommen zwischen 500 und 3000 Seiten belaufen und auch auf die jeweiligen Fächer verteilt werden wollen.

Weiter geht’s mit dem Sekretariat: Dort hilft man für gewöhnlich den Sekretärinnen bei Anträgen, der Post oder Sortierarbeiten und manchmal wird auch ein Stadtgang zur Bank oder der Post fällig oder der Herr Jüngst hat noch Unterlagen und Listen, die sortiert werden sollen. Aber für den doch immer gerne. Danach kann der Tag ganz unterschiedlich weitergehen, je nachdem in welchem Bereich man eingeteilt man ist.

In der Mediothek – meinem Lieblingsarbeitsplatz – ist man meist damit beschäftigt, Bücher und andere Medien zu bekleben, einzubinden, auszuleihen, in die Regale zurück zu sortieren und den Schülern, besonders in den Pausen, bei Problemen an den Computern behilflich zu sein – wobei es meistens darauf hinausläuft, dass man einmal mehr erklärt, wie man denn eigentlich ein Word-Dokument drucken kann.

Apropos Schüler, da gibt es auch noch die sogenannte Spielerziehung. Dieses Fach haben nur die 5. Klassen und das immer mit dem Klassenlehrer und zwei der Erzieherinnen der Schule, oder eben einer Erzieherin und einem FSJler. Dabei werden den Schülern jede Woche verschiedene Projekte angeboten, wie, sich beim Basteln, Kochen, Sport machen oder vielerlei anderen Dingen ausprobieren können. Die Klasse wird dafür in drei Gruppen aufgeteilt, sodass jede Lehrkraft eine dieser Gruppen übernimmt. Hier darf man also auch einmal tatsächlich in die Lehrerrolle schlüpfen und selbst lernen, was es heißt, eine Klasse zu unterrichten, ihnen Anweisungen zu geben und dafür zu sorgen, dass das Backen nicht zu einer Mehlschlacht ausartet.

Diese Lehrposition übernimmt man als FSJler auch mehrere Nachmittage in der Schülerbetreuung. Dabei wird noch unterschieden zwischen der Hausaufgabenbetreuung und der „normalen“ Betreuung, wo man mit kleineren Gruppen von Schülern der 5.-7. Klassen Spiele spielen kann, ob es nun ein Brettspiel oder eine Runde Fußball im Hof sei, oder ein völlig anderer Zeitvertreib. Dabei ist Kreativität gefragt, um den Schülern eine Möglichkeit zu bieten, ihre Zeit gut nutzen zu können, bevor sie nach Hause gehen. In der Hausaufgabenbetreuung geht es, wie der Name schon sagt, darum, den Schülern bei ihren Aufgaben behilflich zu sein und dafür zu sorgen, dass diese vollständig und gewissenhaft erledigt werden, selbst wenn es Protest von den Schülern gibt.

Der letzte Aufgabenbereich ist die Hauswirtschaft und das Gebäudemanagement, wo man mit dem Mensachef der Schule und teils auch den Hausmeistern zusammenarbeitet, um verschiedenste Aufgaben zu erledigen, die so anfallen. Dabei geht es vom Erfassen der Räume der Schule, über das Erstellen von Listen für das Bistum bis zum Nummerieren der Schließfächer im Lehrerzimmer. Die Aufgaben werden dabei sehr selbstständig behandelt und erstrecken sich oft über mehrere Wochen, sodass man hier Verantwortung übernehmen muss, um sich seine Zeit selbst einzuteilen und einen Plan zu machen, wie man am besten und geschicktesten vorgeht.

Man hat bei der Arbeit hier zwar meist einen festen Wochenplan (klar, die Unterrichtsstunden und Betreuung finden jede Woche zur gleichen Zeit statt), aber je nachdem, was gerade anliegt, muss man sich spontan auf eine Planänderung und neue Aufgabe einstellen können und in dieser Hinsicht schnell und flexibel umdenken und dabei nicht die gute Laune verlieren, mit der man die Kinder noch zu bespaßen hat, die jetzt unbedingt genau mit einem selbst eine Runde Ligretto spielen wollen. Das fällt aber nicht schwer, da der Spaß gerade bei der Arbeit mit den Kindern nie zu kurz kommt. Und hey, es gibt jeden Tag gratis Essen in der hauseigenen Mensa. Das ist doch auch ein gutes Argument.

Alina Heinemann